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Esslingen, im Juli 2011
 
Liebe Mitglieder,
 
mit der diesjährigen Jahrestagung in Wittenberg setzen wir eine Herangehensweise fort, nach der der Profanbau in Europa ungeachtet etwa eines regionalen Schwerpunktes vom Mittelalter ausgehend bis in die Neuzeit jeweils in einer spezifischen Zeitstellung betrachtet und behandelt wird. Begonnen wurde damit im Jahre 2005 in Cluny mit dem Thema West- und mitteleuropäischer Hausbau im Wandel 1150-1350 und 2006 in Quedlinburg mit dem Thema Fachwerkbau des 13./14. Jahrhunderts. Dem Hausbau im 15. Jahrhundert war die Jahrestagung 2007 in Wissembourg (Weißenburg/Elsaß) gewidmet. Als Vorgeschmack auf das 16. und 17. Jahrhundert gab es bereits 2008 in Bad Reichenhall Sektionen zum Alpinen Blockbau und zum Blockbau in den Mittelgebirgen.
In diesem Jahr werden wir uns in breiter angelegter Art und Weise mit Bauten und deren Qualitäten auseinandersetzen, die im 16. Jahrhundert entstanden sind. Aufgrund eines derzeit laufenden Forschungsprojektes bot sich als Tagungsort die Lutherstadt Wittenberg in Sachsen-Anhalt in ganz besonderer Weise an.
Das im Frühjahr 2009 begonnene gemeinsame Forschungsprojekt der Stiftung LEUCOREA und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg unter Beteiligung der TU Berlin und der Universität Leipzig lautet Das ernestinische Wittenberg: Universität und Stadt (1486-1547) und kann wie folgt charakterisiert werden:
"Mit der Errichtung seiner Residenz und der 1502 erfolgten Gründung der Wittenberger Universität schuf Kurfürst Friedrich der Weise (von Sachsen, Erg. Verf.) auch grundlegende Voraussetzungen für die Reformation. Bauten dieser Zeit, die erhaltenen wie die nurmehr durch Bilder, Schriftdokumente und archäologische Funde überlieferten, werden erstmals als eine vorrangige Quelle für die Veränderungen aufgefasst, die Wittenberg im Zuge der reformatorischen Umbrüche erlebte. Das zunächst auf drei Jahre angelegte Forschungsprojekt untersucht den Wandel, der zwischen etwa 1486, dem Jahr des Regierungsantritts Friedrichs des Weisen, und 1547, als die ernestinische Herrschaft (Fürstengeschlecht der Wettiner, Erg. Verf.) endete, in Wittenberg eintrat. Neben den Fragen nach den Personen, die die Entwicklungen bestimmten, und den institutionellen Umge- staltungen steht die nach den Auswirkungen der Reformation auf die Stadtgestalt, das Stadtild Wittenbergs im Mittelpunkt der Forschungen.“
Mittlerweile wurde gleichsam als Zwischenbericht der Band 1 der Wittenberg-Forschungen herausgegeben. Er trägt den Untertitel Das ernestinische Wittenberg: Universität und Stadt (1486- 1547) und erschien 2011 im Michael Imhof Verlag.
Nach sehr konstruktiven Vorgesprächen in Wittenberg stellte der Vorstand unter dem Titel Bauen und Wohnen im 16. Jahrhundert die Weichen für eine gemeinsame Tagung des AHF mit dem Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sowie der Stiftung LEUCOREA. Diese breit aufgestellte Kooperation trägt nicht nur wissenschaftliche Früchte, sondern wirkt sich zugleich vorteilhaft auf die Organisation und Finanzierung der diesjährigen Jahrestagung aus.
Ein kompetentes und aktives Partnerfeld unterstützt uns auch bei der Tagesexkursion in die sächsische Stadt Torgau. Vertreter des Torgauer Geschichtsvereins e.V., der Stadt und des Sächsischen Landesamtes für Denkmalpflege werden einführende Vorträge und Führungen anbieten und durchführen.
 
Ich freue mich auf ein Wiedersehen und verbleibe mit herzlichen Grüßen

(Prof. Dr. Michael Goer)
Vorsitzender