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Das Programm (Stand Jan. 2012) folgt dem bewährten Schema: Freitag 20. April 2012: Anreise 16:00 Uhr Ortsbegehung mit Besichtigung von Einzelobjekten im OT Clausthal, Treffpunkt: Kronenplatz (OT Clausthal) 18:00 Uhr Abendessen im historischen „Glück-Auf-Saal“ Restaurant Glück-Auf, An der Marktkirche 7, 38678 Clausthal-Zellerfeld 19:30 Uhr Eröffnung der Tagung und Begrüßung der Teilnehmer 20:00 Uhr Abendvorträge 1. Städtebauliche Gesamtkonzeptionen der Städte Clausthal und Zellerfeld. Bernd Gisevius, Clausthal-Zellerfeld 2. angefragt: Das Bergarchiv als bauhistorische Quelle für Haus- und Bauforscher. Wolfgang Lampe, Clausthal-Zellerfeld Samstag 21. April 2012: Vortragstag im Hause der Fa. Sympatec GmbH, Am Pulverhaus 1, 38678 Clausthal-Zellerfeld, OT Clausthal 09:00-09:15 Uhr Begrüßung und Einführung in die Tagung 09:15-09:45 Uhr Außenhaut, Wetterschutz, Wärmedämmung, Brandschutz und Gestaltung? – Beschläge und Behänge an Fassaden im Oberharz. Anja Schmid-Engbrodt, Pulheim 09:50-10:20 Uhr Noch'n Mittelgebirge: Wandverkleidungen im südlichen Westfalen (Sauer-, Sieger- und Wittgensteiner Land). Thomas Spohn, Münster 10:25-10:45 Uhr Auf der Suche nach wetterbeständigen Baumaterialien und Konstruktionen. Abwägungen bei der Errichtung des Oberbergamtshauses in Clausthal 1725-1731. Bernd Adam, Garbsen 10:45-11:00 Uhr Diskussion 11:00-11:30 Uhr Kaffeepause 11:30-11:40 Uhr Wetter- und Brandschutzmaßnahmen an der Marktkirche in Clausthal. Bernd Gisevius , Clausthal-Zellerfeld 11:45-12:15 Uhr Wandverkleidungen mit Reith und Stroh von der Urgeschichte bis zur frühen Neuzeit. Ergebnisse archäologischer Untersuchungen und Bildquellen. Haio Zimmermann, Wilhelmshaven 12:20-12:40 Uhr „Keilnutbohlen an einem Heidespeicher“. Hans-Joachim Turner, Kirchwalsede 12:40-12:50 Uhr Diskussion 12:50-14:00 Uhr gemeinsames Mittagessen 14:00-14:20 Uhr Bohlenstuben – Wärmedämmung ? (Arbeitstitel) Frank Högg, Wasserleben 14:25-14:45 Uhr "Historischer Oberharzer Holzbeschlag contra Wärmedämmung? Ein Vorschlag aus der Praxis" Ulrich Reiff, Clausthal-Zellerfeld 14:50-15:10 Uhr Bauphysikalische Aspekte der Wärmedämmung am Fachwerkbau. Stefan Haar, Wolfenbüttel 15:10-15:20 Uhr Diskussion 15:20-15:50 Uhr Kaffeepause 15:50-16:10 Uhr Das Haus Falke in Arnsberg – eine Gefahr für den Brandschutz. Josef-Georg Pollmann, Arnsberg 16:15-16:35 Uhr Blitzschäden und Schutz vor denselben. Wolfgang Dörfler, Gyhum 16:40-17:10 Uhr Historische Wasserversorgung in Clausthal und Zellerfeld - Wasser zum Trinken und Feuerlöschen. Friedrich Balck, Clausthal-Zellerfeld 17:15-17:45 Uhr Stadtbrände im Oberharz und ihre Auswirkungen auf den Hausbau. Johannes Laufer, Göttingen 17:45-19:00 gemeinsames Abendessen 19:00-19:30 Uhr Brandschutzvorschriften im Oberharz - Obrigkeitliche Gängelung oder werteerhaltender Segen? Helge Th. Frank,Clausthal-Zellerfeld 19:30-20:00 Uhr Schlussdiskussion Sonntag 22. März 2011: Exkursionstag 08:30-11:00 Uhr Ortsbegehung im OT Zellerfeld mit Besichtigung von Einzelobjekten (Der Treffpunkt wird noch bekanntgegeben.) 11:15 Uhr Busabfahrt nach St. Andreasberg 12:00-13:00 Uhr Mittagsimbiss im Bergwerksmuseum Grube Samson 13:00-16:00 Uhr Ortsbegehung St. Andreasberg mit Besichtigung von Einzelobjekten 16:15 Uhr Busabfahrt nach Clausthal-Zellerfeld 17:00 Uhr Ankunft in Clausthal-Zellerfeld Ende der Tagung 17:15 Uhr Bustransfer nach Goslar, Hbf., Ankunft ca. 18:00 Uhr (Bedarf bitte auf dem Anmeldeformular vermerken !) 17:30 Uhr Angebot zur Besichtigung und Führung durch die Marktkirche in Clausthal (Teilnahme bitte auf dem Anmeldeformular vermerken !) Informationen zur Tagung Tagungsort: Sympatec GmbH System-Partikel-Technik, Am Pulverhaus 1 38678 Clausthal-Zellerfeld, OT Clausthal Tagungsgebühr: Die individuelle Tagungsgebühr (s. Anmeldung) bitten wir Sie bis zum 30. März auf folgendes Konto zu überweisen: Thomas Spohn, KontoNr.: 0242116542, Stadtsparkasse Dortmund (BLZ 44050199). Anfahrt: Mit dem Auto: Über die Autobahn A7 bis zur Abfahrt Seesen. Dann der B242 nach Clausthal-Zellerfeld folgen. Den Tagungsort bei der Fa. Sympatec finden Sie, indem Sie in Clausthal-Zellerfeld der Beschilderung zum „Pulverhaus“ folgen. Sollte Ihr Navigationssystem die Adresse nicht finden, verwenden Sie bitte den Eintrag "An den Pfauenteichen", oder folgende Koordinaten: E 10° 21' 47" / N 51° 47' 50"Mit Bahn & Bus: Der nächstgelegene Bahnhof befindet sich in der Kreisstadt Goslar, etwa 20 km entfernt. Anschluss an das ICE- Netz der DB AG erhalten sie bei den Bahnhöfen Hannover (via Hildesheim), Braunschweig und Göttingen. Wer in Goslar am Bahnhof ankommt, hat eine direkte Verbindung mit den Buslinien 830 oder 831 vom Bahnhofsvorplatz nach Clausthal-Zellerfeld. Die Busfahrpläne sind unter: http://www.rbb-bus.de abrufbar. Übernachtung: Unterkünfte vermittelt Ihnen das Fremdenverkehrsamt Clausthal-Zellerfeld Ulrike Mastmann Bergstr. 31 38678 Clausthal-Zellerfeld Tel.: 05323-81024 E- mail: info@oberharz.de Bitte geben Sie hier das Stichwort „Hausforschung“ an. Da die Hotelkapazitäten in Clausthal-Zellerfeld nicht besonders groß sind, raten wir Ihnen, die Buchung möglichst früh vorzunehmen. Tagungsteilnehmer, die mit dem ÖPNV anreisen, haben die Möglichkeit, nach der Exkursion in St. Andreasberg mit dem Exkursionsbus bis zum Hauptbahnhof Goslar gefahren zu werden. Diesen Wunsch bitten wir ggf. auf dem Anmeldeformular zu vermerken. Bitte melden Sie sich bis zum 09. März 2012 mit dem Anmeldeformular an, indem sie es per Post schicken oder mailen an: Thomas Spohn, Brandenburger Straße 12, 44139 Dortmund, E-mail: thomas.spohn@lwl.org Aufgrund der Enge in den Objekten und der damit notwendigen exakten Gruppenplanung bitten wir um erhöhte Disziplin bei der fristgerechten Anmeldung. Wir freuen uns auf ein zahlreiches Wiedersehen in Clausthal-Zellerfeld und grüßen Sie herzlich Ihr Vorbereitungsteam ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Anja Schmid-Engbrodt, Thomas Spohn Adliges und bürgerliches Wohnen auf dem Lande. Bericht der 23. Tagung der Regionalgruppe Nordwest in Bad Iburg, 25.-27. März 2011 Der Landkreis Osnabrück mit einer großen Zahl gut erhaltener ländlicher Adelssitze erwies sich als ideale Tagungsregion des 23. Treffens des Arbeitskreises für ländliche Hausforschung in Nordwestdeutschland, das vom 25. bis 27. März 2011 unter dem Thema "Bauen und Bauten des niederen Adels in Nordwestdeutschland" in Bad Iburg stattfand. Als gemeinsame Veranstaltung des Arbeitskreises für Hausforschung (AHF) und der Interessengemeinschaft Bauernhaus (IGB) hat das nordwestdeutsche Hausforschertreffen bereits eine über 20 -jährige Tradition; in diesem Jahr fand es in Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege (NLD) und der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Osnabrück statt. Mit knapp 100 interessierten Teilnehmer/innen aus Denkmalpflege, Museen, freiberuflicher und ehrenamtlicher Bauforschung war die Tagung sehr gut besucht, die von Volker Gläntzer (NLD) und Elisabeth Sieve (Landkreis Osnabrück, Untere Denkmalschutzbehörde) vorbereitet worden war. Nach einer Führung durch die ehemalige fürstbischöfliche Residenz Schloss Iburg begrüßten Landrat Manfred Hugo (Landkreis Osnabrück) und Bürgermeister Drago Jurak (Bad Iburg) die Tagungsteilnehmer im restaurierten barocken Rittersaal der Burg. In einem öffentlichen Abendvortrag erörterte Dr. Stefan Winghart, Präsident des NLD, die Bedeutung des bürgerschaftlichen Engagements für die Denkmalpflege, die aber dennoch eine wichtige kulturpolitische Aufgabe bleibe, aus der sich die öffentliche Hand nicht zurückziehen dürfe. Das Vortragsprogramm am Samstag, 26. März, war mit insgesamt 22 Beiträgen dicht gepackt, bot aber dank der vorbildlichen Zeitdisziplin der Referenten einen facettenreichen Überblick zum adligen (und bürgerlichen) Bauen und Wohnen auf dem Lande. Zugleich unterstrichen die Vorträge die Bedeutung der Bau- und Hausforschung als wissenschaftliche Grundlage der Denkmalpflege. Nicolas Rügge (Staatsarchiv Osnabrück) eröffnete den Vortragstag mit einer konzisen Einführung zu den historischen Rahmenbedingungen des ritterschaftlichen Adels im Hochstift Osnabrück. Mit etwa 120 Rittersitzen, von denen etwa 60 ins Mittelalter zurückreichen, hat der niedere Adel die Kulturlandschaft vor allem in den fruchtbareren Teilen des Osnabrücker Landes bis heute geprägt. Im 16. Jahrhundert entstanden zahlreiche ländliche Rittersitze, deren "eigentlicher Reichtum" in den Abgaben zahlreicher abhängiger Bauernhöfe bestand. Es folgte ein typologischer Überblick zu Fachwerk-Herrenhäusern des Landadels in Nordwestdeutschland von Sonja Michaels (Stadtmuseum Frankfurt). Sie unterschied aus dem traditionellen Bauernhaus entwickelte "herrschaftliche Hallenhäuser" und ein- bis zweistöckige Fachwerk-Traufenbauten mit hoher Eingangshalle (Diele). Insbesondere die zahlreichen adligen Wohnbauten in Form von Hallenhäusern standen im Mittelpunkt vieler Beiträge; sie wurden von der älteren Forschung wenig beachtet und oft als Wirtschaftsgebäude missverstanden. Dietrich Maschmeyer (Bundesvorsitzender der IGB, Recklinghausen) zeigte die bauliche Vielfalt von adligen Landsitzen im westfälischen Münsterland. Neben den Herrenhäusern spielen hier vor allem repräsentative Torhäuser und "Bauhäuser" als hallenhausartige Wirtschaftsgebäude auf der Vorburg eine wichtige Rolle. Heinrich Stiewe (LWL-Freilichtmuseum Detmold) stellte mehrere adlige Hallenhäuser des 16. Jahrhunderts aus Ostwestfalen- Lippe vor, darunter den 1577 erbauten Valepagenhof aus Delbrück, der heute im LWL-Freilichtmuseum Detmold steht. Hermann Kaiser präsentierte ein bäuerliches Zweiständer-Hallenhaus von um 1540 (d) aus Nortrup (Lkr. Osnabrück), das Ende des 16. Jahrhunderts von der ritterlichen Familie Voß durch eine verbreitete Form des "Bauernlegens" mit Abfindung der Bauernfamilie in einen Adelssitz umgewandelt worden ist. Das wertvolle Gebäude wurde um 1980 für das Museumsdorf Cloppenburg abgetragen und wartet noch auf seinen Wiederaufbau. Die folgende Sektion "Der Städter auf dem Lande" eröffnete Fred Kaspar mit einem bau- und kulturgschichtlichen Überblick zu Landsitzen wohlhabender Stadtbürger in der Umgebung Münsters. Diese Güter wurden von Pächtern bewohnt und bewirtschaftet, während den bürgerlichen Eigentümern ein aufwändig gestalteter Wohnteil als "Sommerfrische" zur Verfügung stand - bei Versorgung durch den Haushalt des Pächters. Weitere Beispiele verschwundener bürgerlicher Landsitze aus der Umgebung der westfälischen Städte Warendorf (Laurenz Sandmann, Warendorf) und Minden (Peter Barthold, Münster) machten deutlich, dass Bauforschung auch historische Bild- und Schriftquellenforschung bedeutet. Aktuell untersuchte Fallbeispiele waren das Thema der folgenden Sektion nach der Mittagspause: Vorgestellt wurden adlige bzw. herrschaftliche Hallenhäuser auf den Gütern Koppel bei Verden (Heinz Riepshoff), Mulmshorn und Bockel, Lkr. Rotenburg (Wolfgang Dörfler) sowie dem Amtsvorwerk Moisburg, Lkr. Harburg (Nils Kagel, Freilichtmuseum am Kiekeberg). Anschließend gab Erhard Preßler einen europaweiten Überblick zu zisterziensische Großscheunen (Grangien) des 13. und 14. Jahrhunderts in Südengland, Nordfrankreich und Flandern als möglichen Vorläufern des Gulfhauses. Wolfgang Rüther berichtete über Gulfscheunen auf landesherrlichen Domänen in der Krummhörn (Ostfriesland), die dort im Verlauf des 17. Jahrhunderts als frühmoderne Großwirtschaftsbauten wohl nach niederländischen Vorbildern entstanden. Weit über den nordwestdeutschen "Tellerrand" blickte Ariane Weidlich (Oberbayerisches Freilichtmuseum Glentleiten) auf repräsentative Baugestaltungen großbäuerlicher Eliten in Oberbayern, die in der dortigen Forschung als "Bauernadel" bzeichnet werden. Es folgten einige aktuelle Forschungsberichte zum "Brunotteschen Hof" in Rheden-Wallenstedt (Lkr. Hildesheim, Stefan Haar), Hallenhäusern des Schaumburger Landes (Ulrich von Damaros, Rinteln) und einem Dissertationsprojekt zum ländlichen Hausbau in Vorpommern (Mario Schmelter, Greifswald). Eine letzte Sektion nach dem Abendessen führte zurück zu Tagungsthema und -region mit Vorträgen über Wasserburgen im Grönegau (Maren Tamson und Lea Rattmann), Steinwerke in Osnabrück (Carolin Sophie Prinzhorn) und Kapellenbauten des niederen Adels im Fürstbistum Osnabrück (Josef Herrmann). Zwei Beiträge über Bauten des Hannoverschen Oberhofbaudirektors Friedrich Karl v. Hardenberg (Bernd Adam) und Wohnbauten westfälischer Damenstifte (Thomas Spohn, Münster) beschlossen den langen Vortragstag. Die Exkursion am Sonntag, 27. März, führte zu adligen Landsitzen im Landkreis Osnabrück und ins südlich angrenzende Münsterland - in fruchtbarer Kooperation mit der LWL-Denkmalpflege in Westfalen (Fred Kaspar). Insgesamt bot die Tagung anhand von aktuellen Forschungsergebnissen einen breiten Überblick zum adligen und bürgerlichen Bauen und Wohnen auf dem Lande zwischen dem Spätmittelalter und dem 19. Jahrhundert; die Herausgabe eines Tagungsbandes ist geplant. H.St. Hausbau im Dreißigjährigen Krieg und Viehaufstallung: Bericht von der 22. Tagung der Regionalgruppe Nordwest in Verden, 19.-20. März 2010 Das riesige Dachwerk des Verdener Domes und sechs nicht weniger eindrucksvolle Bauernhäuser aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges waren Exkursionsziele der 22. Tagung der Arbeitsgemeinschaft für Haus- und Gefügeforschung in Nordwestdeutschland in der IGB, zugleich Regionalgruppe Nordwest des AHF, die vom 19. bis 21. März 2010 in Verden/Aller stattfand. Außerdem gab es interessante Vorträge zu Fragen der Viehaufstallung und "freien Themen". Der Bundesvorsitzende der Interessengemeinschaft Bauernhaus (IGB), Dietrich Maschmeyer, begrüßte die anwesenden Teilnehmer; Heinrich Stiewe überbrachte Grüße vom Vorstand des AHF. Mit knapp 100 Teilnehmern war die Tagung sehr gut besucht. Ein Novum war, dass bereits zu Tagungsbeginn eine Exkursionsbroschüre in Buchform vorlag: Unter dem Titel "Bauernhäuser aus dem Dreißigjährigen Krieg" (hg. von Wolfgang Dörfler, Heinz Riepshoff und Hans-Joachim Turner) enthält sie ausführliche Berichte und Zeichnungen zu den Exkursionsobjekten und ergänzende Beiträge aus anderen Regionen. Auch Gerhard Eitzen (+ 1996) und Ulrich Klages (+ 2007) sind mit Aufsätzen vertreten. Die Broschüre erscheint als Band 3 der "Holznagelschriften" der IGB ("Gelbe Reihe") und konnte aus Überschüssen vergangener Tagungen finanziert werden. Jeder Teilnehmer erhielt ein Exemplar ausgehändigt; weitere sind bei der IGB, Postfach 1244, D-28859 Lilienthal erhältlich (per Fax: 04792 / 4717 oder im Internet unter www.igbauernhaus.de/Unsere Themen/Marktplatz). Die Außenstellen Verden und Rotenburg der IGB hatten sich in diesem Jahr zusammengetan, um die Tagung zu organisieren. Luise Knoop war für die Organisation vor Ort und das Korrekturlesen des Exkursionsbandes verantwortlich; Hans-Joachim Turner, Heinz Riepshoff und Wolfgang Dörfler kümmerten sich um Programm und Exkursionsvorbereitung. Unterstützt wurden sie von Hedda Riepshoff, Ludwig Fischer und Bernd Kunze, der das Layout und den Druck der Broschüre besorgt hat. Das Dachwerk des Verdener Domes Die Besichtigung des mittelalterlichen Dachwerks des Verdener Domes eröffnete am Freitagnachmittag das Tagungswochenende. Als sich die Teilnehmer den Wendelstein zum Dachstuhl hochgearbeitet hatten, erwartete sie ein Wald von Hölzern, die im Querschnitt ein ca. 60 Grad steiles, nahezu gleichseitiges Dreieck von etwa 30 m Seitenlänge bilden, das von zwei mächtigen Ständerreihen im Innern getragen wird - das bisher älteste bekannte Beispiel eines "aufgeständerten Kehlbalkendaches". Erhard Preßler und Heinz Riepshoff erläuterten die Bauphasen, die sie in mehrjähriger dendrochronologisch-gefügekundlicher Forschungsarbeit ermitteln konnten. Es lassen sich vier Bauabschnitte unterscheiden, die mit den urkundlich bekannten Daten zur Baugeschichte des 1290 begonnenen gotischen Domes korrespondieren: 1306-09 (d) wurde das Dachwerk über dem östlichen Umgangschor und dem Querhaus gerichtet, 1326 (d) folgte das östliche Langhausjoch und nach einer finanziell bedingten Bauunterbrechung von gut 150 Jahren wurde 1478 (d, Weihe 1480) das Langhaus bis zu dem romanischen Südwest-Turm geschlossen (eine geplante Doppelturmfassade blieb unvollendet). Bemerkenswert ist, dass der ursprüngliche Plan des Dachwerks aus dem frühen 14. Jahrhundert von den späteren Zimmermeistern fast unverändert fortgeführt wurde, so dass das gesamte Dachgerüst heute sehr einheitlich erscheint. Nach dem Kriegsverlust des Daches über dem Wiener Stephansdom besitzt der Verdener Dom eines der größten mittelalterlichen Dachwerke Europas. In einem ersten Abendvortrag fasste Erhard Preßler seine Forschungsergebnisse zusammen, illustriert durch ein präzises, selbst gebautes Modell des Langhausdaches im Maßstab 1:50, das 2009 in der Ausstellung "Roofs of Europe" in Paris zu sehen war. Ein weiteres Modell des vollständigen Dachwerks wird am 7. Mai im Verdener Dom der Öffentlichkeit vorgestellt. Zwei weitere Vorträge am Freitagabend boten eine kurzweilige Einführung in die verwickelte Landesgeschichte der Bistümer Verden und Bremen als Tagungsregion (Wolfgang Dörfler) und eine beispielhafte Vorstellung dreier prächtiger Fachwerkbauten (Heinz Riepshoff), die alle im Jahre 1621 errichtet wurden, das in der hiesigen Region noch zur „Vorkriegszeit“ des Dreißigjährigen Krieges zu zählen ist. Vorträge: Viehaufstallung und "freie Themen" Das Sonnabendprogramm eröffnete Haio Zimmermann mit einem sehr anschaulichen archäologischen Überblick über 4.000 Jahre Viehhaltung im Stall. Er wies auf den wortgeschichtlichen Zusammenhang von "Vieh" und Reichtum/Geld hin und erläuterte die Aufstallungsrichtung (Kopf zur Außenwand bis in die frühe Neuzeit) unter anderem anhand eines eindrucksvollen Beispiels, eines eisenzeitlichen Hauses aus N¢rre Tronders bei Ålborg (Dänemark), in dem nach einem Brand die Skelette von sechs Kühen, einem Pferd, einer Familie mit Kind, drei Schafen und einem Schwein in situ erhalten geblieben waren. Während in den älteren Perioden von der Bronzezeit (Hahnenknooper Mühle bei Wilhelmshaven) bis zur römischen Kaiserzeit (Feddersen Wierde u.v.a.) dreischiffige Wohnstallhäuser mit auffallender Ähnlichkeit zum neuzeitlichen Hallenhaus verbreitet waren, in denen das Vieh in seitlichen Stallboxen mit den Köpfen zur Außenwand stand, setzten sich im frühen Mittelalter einschiffige Rauchhäuser ohne Viehaufstallung durch - das Vieh war nun in anderweitigen Unterständen auf dem Hof oder in Außenlage untergebracht. Schweine wurden unter anderem in Erdhöhlen, aber auch in steinzeitlichen Großsteingräbern gehalten, Pferde in halbwilder Waldweide. Als Gründe für einen erneuten Wechsel zur Stallhaltung im hohen Mittelalter zählt er auf: Winterfütterung, Ställe als Dungsammelstätte, Schutz gegen Viehdiebstahl, Schonung von Wald und Weide, das Melken der Muttertiere sowie die Aussonderung und Pflege kranker Tiere. Anschließend formulierte Dietrich Maschmeyer anhand zahlreicher Beispiele aus Nordwestdeutschland ungeklärte Fragen zur Viehaufstallung im Hallenhaus und seinen Nebengebäuden. Die Pferdehaltung in älteren Häusern mit Vorderkübbung wurde durch den Anbau oft stark separierter Pferdeställe hinter (neu aufgerichteten) Steilgiebeln ersetzt. Spannend ist die Fragestellung zur Unterbringung der Kühe in den Kübbungen des Zweiständerhauses, die im 15. und 16. Jahrhundert mit einer Tiefe von 1,5 m auch für die damals anzunehmenden kleinen Rinderrassen für eine Aufstallung in Kleinboxen zu kurz gewesen sein müssen. Im Laufe des 16. Jahrhunderts erreichen die Ställe dann Tiefen von über zwei Metern, die die heute bekannte Aufstallung mit den Köpfen zur Diele zwischen den Hauptständern ermöglichte. Im Osnabrücker Artland gab es größere Stallräume mit sehr engen Fressgittern ohne Anbindevorrichtungen, was auf ein freies Bewegen des Viehs in den Kübbungen schließen lässt. In anderen Landschaften (Westfalen, Lippe) gab es niedrige waagerechte "Kuhnackenriegel" zwischen den Ständern, um das Eindringen der Rinder auf die Diele zu verhindern. Insgesamt ergab die Diskussion auch vor dem Hintergrund hoher Viehzahlen auch in kleineren Häusern eine mangelnde Vorstellung über die wirklich Größe des Hornviehs im Spätmittelalter, die Funktion der Kübbungen in den ältesten Hallenhäusern und den Ort der Aufstallung dieser wichtigsten Viehgattung. Ein Kurzvortrag von Hans-Joachim Turner zeigte an mehreren Beispielen die vielfältigen Spuren von Kuhanbindevorrichtungen in Häusern des 16. bis 19. Jahrhunderts in Norddeutschland. Er diskutierte auch den Raumbedarf der Tiere. Bei der Exkursion sahen wir in Ramelsen (Lk. Verden) ein Haus von 1639 (d), in dem die mit 50 cm „überbreiten“ Ständern der Diele später etwa um ein Drittel ihrer Breite „heruntergebeilt“ worden waren, um eine dritte Kuh zwischen zwei Ständern unterbringen zu können. In diesem wie auch in vielen anderen älteren Häusern war schließlich im 19. Jahrhundert eine Verschiebung der Ständerreihen um etwa 1 bis 1,5 m zur Diele hin vorgenommen worden, um die Tiefe der Kübbungen der Größe der Kühe anzupassen und Platz für einen Mistgang hinter den Tieren zu schaffen. In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass eine interdisziplinärer Austausch mit Agrarhistorikern und Paläozoologen dringend erforde¬lich ist, um in der Frage nach der Größe und Aufstallung mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Nutztiere (insbes. Rinder und Pferde) zu gesicherten Ergebnissen zu kommen. Außerdem kam es zu einem Schlagabtausch zwischen den Vertretern der Meinungen, dass es in den frühneuzeitlichen Ställen trotz der Körperwärme des Viehs sehr kalt (nur wenige Grad über Außentemperatur) oder aber verhältnismäßig warm und damit weitgehend frostfrei gewesen sei. Hier stehen sich "gefühlte" Erfahrungswerte von Landwirten und Hausforschern, die die Viehaufstallung im Hallenhaus noch in jüngerer Zeit aus eigenem Erleben kennen und Messergebnisse gegenüber, wie sie etwa das Museumsdorf Cloppenburg vor über 30 Jahren in einem mit Vieh besetzten Bauernhaus durchführen konnte (Hermann Kaiser). Diese Diskussion kann nur durch weitere Temperaturmessungen in Hallenhäusern mit traditioneller Viehaufstallung versachlicht werden, die die Wärmeverhältnisse in milden und strengen Wintern berücksichtigen. Christine Scheer stellte die Viehaufstallung im "Husmannshus" (Hallenhaus) und dem "Barghus" (Haubarg/Gulfhaus) als den beiden grundverschiedenen Haustypen der Kremper- und Wils-termarsch unter funktionellen Gesichtspunkten vor. Sie zeigte wie in den Hallenhäusern der Region die Kuhställe vollständig durch Klappen und Holzverschläge von der (Dresch-)diele abgetrennt wurden; in der Diskussion wurde der Zusammenhang zwischen Augenkrankheiten des Hornviehs und dem beim Dreschen auf der Diele entstehenden Staub angesprochen. Im Barghus wurden die Tiere primär mit dem Kopf zur Außenwand aufgestallt, doch wurde die Aufstallungsrichtung häufig später umgekehrt und damit der in den anderen Haustypen üblichen Form angepasst. Im folgenden Vortrag berichtete Bernd Adam aufgrund erhaltener Baupläne über "Vieh- und Kornhäuser, multifunktionale Großbauten auf Amtshöfen des 18. Jahrhunderts". Er zeigte mehrere Bauten des hannoverschen Landbaumeisters Christian Ludwig Ziegler (1748-1818), dessen zeichnerischer Nachlass kürzlich im Stadtarchiv Peine wiederentdeckt worden ist (s. Bernd Adam und Thorsten Albrecht: Christian Ludwig Ziegler (1748-1818). Kurhannoverscher Landbaumeister und Architekt von Kloster Medingen. Petersberg 2009). Bei einem Entwurf zum Neubau eines Schafstalls ging Ziegler davon aus, dass der Schafmist im Laufe des Winters zu einer 1,2 m hohen Schicht anwachsen würde und also eine recht hohe Balkenlage sowie Öffnungen zum Belüften des Stallraums unter der Dachtraufe vorzusehen seien. Diese Öffnungen benötigten aus Sparsamkeitsgründen keine verschließbaren Klappen, da auch im Winter die gute Durchlüftung wichtiger als der Kälteschutz war. Eine praktische Besonderheit sind die runden Sandsteinsockel unter den ebenfalls abgerundeten Ständern des Gerüstes, die Abriebverluste bei der Schafwolle verringern sollten. Für das Kloster St. Michaelis in Lüneburg entwarf Ziegler lieber wenige große Wirtschaftsgebäude mit kombinierter Nutzung als eine Mehrzahl kleiner Gebäude, da die Unterhaltungskosten dann deutlich günstiger wären. So baute er auch auf anderen Amtshöfen große, multifunktionale Wohn-, Stall- und Vorratsgebäude wie z.B. das Amtshaushaltsgebäude von 1780 in Fallersleben. Bemerkenswert ist die räumliche Differenzierung der Schweineställe seiner Bauten sowie ein massiv ausgeführter Raum mit Schornstein, den man bereits als Futterküche interpretieren möchte. Volker Gläntzer hatte das alternative Motto der Tagung "Der spannendste Befund der letzten drei Jahre" ernst genommen und berichtete über ein Wirtschaftsgebäude des Gutes Schleppenburg bei Iburg (Lk. Osnabrück). Das in seiner heutigen Erscheinungsform als Doppelheuerhaus mit zwei traufseitigen Toreinfahrten angesprochende Gebäude gab nach akribischer dendrochronologisch-gefügekundlicher Untersuchung eine äußerst differenzierte Baugeschichte preis: Von einem Dreiständerbau des Jahres 1491 waren 1615 einzelne Balken weiterbenutzt worden, um auf dem Gutshof erneut ein dreiständriges Haus mit großem Giebeltor und ohne Wohnteil, ein Viehhaus also, zu errichten. Bereits 1656 wurde das Tor an die Traufseite verlegt, da das Gebäude jetzt mit beiden Giebeln an eine Gräfte grenzte. Erst im 19. Jahrhundert erhielt das Gebäude unter Entfernung eines Innenständers und Einfügung einer Unterschlagskonstruktion das zweite Tor. Ab wann die zuletzt bestehende Wohnnutzung einsetzte, ist derzeit noch ungeklärt. Glücklicherweise hat sich ein örtlicher Verein gefunden, der das wertvolle Gebäude behutsam repariert und einer extensiven Nutzung zuführen will. Den Abschluss des Vormittagsprogramms bildete ein Arbeitsbericht von Joseph Pollmann über einen Schafstall auf dem Finkenhof in Oberhundem-Schwartmecke (Kreis Olpe) im westfälischen Sauerland. Der Hof ist seit dem 16. Jahrhundert als Schäfereibetrieb belegbar; ein Vierständer-Haupthaus von 1685 und ein bisher undatierter Schafstall blieben erhalten. Das komplexe Gefüge dieses in den Hang gebauten Gebäudes mit 3,4 m langen Eichenständern, die auf etwa 1 m hohen Porphyr-Säulen stehen und bis ins Dachwerk reichen, bedarf noch einer genaueren Untersuchung. Die auf den Traufwänden ruhenden Balken bilden offenbar keine dichte Decke über den Schafstall; seitliche Räume waren durch solide Bohlenwände vom mittleren Stallraum und einer anschließenden Querdiele mit rückwärtigem Keller abgetrennt. Nach der Mittagspause berichtete Frank Högg über drei Bauernhäuser des 17. und 18. Jahrhunderts im westlichen Südharz - einer hauskundlich unerforschten Region, die derzeit von einer heftigen Abbruchwelle betroffen ist. Die gezeigten Beispiele aus Branderode (1654/55 d), Werna (1703, verlängert 1773/74 d) und Friedrichstal (1713/14 d) sind zweistöckige mitteldeutsche Ernhäuser in Stockwerkbauweise, die vor ihrem nicht mehr zu verhindernden Abbruch vom Referenten im Auftrag der Denkmalpflege dokumentiert wurden. Die Entwicklung verläuft von qualitätvollem Nadelholzfachwerk des 17. Jahrhunderts mit reichen Profilen, Schiffskehlen und "Leiterbrüstungen" zu schlichteren Gefügen des 18. Jahrhunderts mit abgerundeten Balkenköpfen und K-Streben. Zahlreiche originale Details wie bauzeitliche Schiebefenster, Türen und Treppengeländer, von denen der Referent nur wenige retten konnte, unterstreichen die lebendige Vielfalt einer noch weitgehend unbekannten Hauslandschaft, die infolge von Abwanderung und demografischem Wandel verloren zu gehen droht. Mit ihrem Beitrag zur "hohen Rauchküche" im Bauernhaus des hannoverschen Wendlandes knüpften Knut Hose und Dirk Wübbenhorst an die letzte Tagung in Hitzacker an und boten neues Material zur wichtigen Frage von Herdraum und Küche. Nach aktuellen Befunden in mehreren älteren Gebäuden gab es im Wendland vor 1800 zwar auch Flettdielenhäuser, doch bestand in ihnen eine funktionale Differenzierung zwischen der nicht so intensiv genutzten Feuerstelle auf dem Flett und einer weiteren Herdstelle im mittleren Raum des Kammerfaches. Dieser war ursprünglich zweigeschosshoch war und kann damit als "hohe Küche" angesprochen werden. In ihm se¬hen die Referenten einen "Multifunktionsraum" als Hauptwohn- und Aufenthaltsraum des Hauses, der erst im 19. Jahrhundert durch eine nachträglich eingezogenen Balkendecke unterteilt und durch den Einbau einer Rauchglocke mit Schornstein rauchfrei gemacht wurde. Die letzten Bauernhäuser mit einer "hohen Küche" im Kammerfach wurden im Wendland noch im frühen 19. Jahrhundert gebaut und konnten auf der letztjährigen Exkursion besichtigt werden (z.B. in Diahren, 1808). Stefan Amt berichtete über ein aktuelles dendro¬chronologisch-gefügekundliches Forschungsprojekt zu den hölzernen Glockentürmen der Lüneburger Heide, das er derzeit mit Studierenden der Universität Braunschweig und der FH Hildesheim durchführt. Bisher wurden drei von 44 bekannten Holztürmen neu aufgemessen und dendrochronologisch datiert - mit z.T. erheblichen Abweichungen von den bisherigen Altersschätzungen: Meinerdingen, 1383/84 (d, bisher geschätzt "nach 1500", näheres dazu im Beitrag des Verf. im IGB-Band "Geschichtsdokument Bauwerk"); Munster, 1556 (d, bisher angebl. 1518 nach Blitzschlag); Wietzendorf, 1545 (d, bisher nach Wetterfahne 1749). Hölzerne Glockentürme sind außerdem in Schleswig-Holstein, England, Skandinavien und Osteuropa verbreitet; eine Vernetzung zu einem "European Research Institute on Wooden Belltowers" ist geplant. Dieter L. Schwarzhans berichtete über seine frühere Tätigkeit beim LWL-Amt für Landschafts- und Baukultur in Münster, wo er an dem digitalen Kulturlandschaftskataster KuLaDig der Landschaftsverbände Westfalen-Lippe und Rheinland (www.kuladignrw.de) mitgearbeitet hat. Am Beispiel alter Hofstellen im heutigen Stadtteil Henrichenburg der Stadt Castrop-Rauxel zeigte er die Vielfalt erhaltener bäuerlicher Kulturlandschaftselemente und Siedlungsformen (Einzelhöfe, Drubbel) in der Industrielandschaft des Ruhrgebietes, die im Rahmen des Projektes kartiert und für die Internet-Präsentation aufbereitet wurden. Ausgehend vom Urkataster von 1823 werden die gewaltigen Veränderungen der Kulturlandschaft infolge der Industrialisierung deutlich. Daran anknüpfend stellte Thomas Spohn fest, dass die bis heute sichtbaren bäuerlichen Elemente im Ruhrgebiet bei den aktuellen Projekten zum Europäischen Kulturhauptstadtjahr "Ruhr.2010" kaum Berücksichtigung finden. In seinem aus diesem aktuellen Anlass entstandenen Vortrag berichtete er über die Lebensmittelversorgung des "Reviers" aus seinem ländlichen Umland. Spätestens seit der Hochindustrialisierung (seit ca. 1880) war das Ruhrgebiet zur Versorgung sei¬ner stark anwachsenden Bevölkerung auf Lebensmitteleinfuhren aus ganz Westfalen und Teilen Nordwestdeutschlands angewiesen; die Herkunftsregionen einzelner Produkte (Gemüse, Milch, Fleisch) umgaben das Ruhrgebiet wie breite Jahresringe (Müller-Wille 1952) und die Eisenbahn ermöglichte den schnellen und kostengünstigen Transport in den Ballungsraum. So wurden die Bauern in der näheren und weiteren Umgebung zu den "frühesten Profiteuren der Industrialisierung", die daraufhin ihre Höfe modernisierten. Davon legen zahlreiche neue Hof-anlagen mit massiven, separaten Wohn- und Wirtschaftsgebäuden Zeugnis ab, die im engeren Ruhrgebiet schon seit den 1850er Jahren entstanden, aber auch Neubauten für bäuerliche Genossenschaften, Molkereien, Schlachthöfe usw. Hier eröffnet sich ein weites Feld für die ländliche Hausforschung, das bisher erst ansatzweise bearbeitet ist. Wie auch weiter entfernte Regionen sich auf die Versorgung industrieller Ballungsräume insbesondere im Ruhrgebiet spezialisieren konnten, zeigte später Heinz Riepshoff in seinem öffentlichen Abendvortrag über "Schweine in der Grafschaft Hoya": Nach dem Bau der Eisenbahnlinie Hamburg-Venlo 1873, die einen schnellen Absatz ins Ruhrgebiet ermöglichte, entwickelte sich die frühere Grafschaft zum "schweinereichsten Kreis des preußischen Staates". Jeder Kleinstellenbesitzer hielt mehrere Mastschweine und schon um 1900 bestanden große Mästereien mit über 1.000 Tieren, die mit Fischmehl und billiger russischer und rumänischer Futtergerste, die über Bremen importiert wurde, gefüttert wurden. Die heutige "Veredelungswirtschaft" etwa im Raum Südoldenburg hat hier ihre frühen Vorläufer, die ohne die Absatzmöglichkeiten im Ballungsraum des Ruhrgebietes nicht denkbar wären. Exkursion zu Bauernhäusern aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges Am Ende des ergiebigen Vortragstages stimmte Wolfgang Dörfler das keineswegs ermüdete Publikum mit einem weiteren Abendvortrag zum Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) in der Region Rotenburg auf die Exkursion ein. Er stellte die wichtigsten Kriegsparteien in Norddeutschland vor, wo erzbischöflich-bremische, kaiserlich-katholische, protestantische, dänische und schwedische Truppen durchzogen und das Land abwechselnd besetzt hielten - bis 1645 die Schweden die Bistümer Bremen und Verden in Besitz nahmen, was durch den Westfälischen Frieden 1648 bestätigt wurde und bis 1712 andauern sollte. Insgesamt gehörte der Norden des heutigen Landes Niedersachsen trotz wiederholter Durchzüge zu den weniger stark von Kriegszerstörungen betroffenen Gebieten - was durch eine Reihe von eindrucksvollen Hallenhaus-Neubauten aus den Kriegsjahren bestätigt wird. Die Exkursion am Sonntag führte zu sechs Bauernhäusern in den Landkreisen Verden und Rotenburg, die alle während des Dreißigjährigen Krieges oder unmittelbar danach erbaut wurden. Von einer kleinen Brinkkötnerstelle in Eitze (1637-39 d, ursprünglich mit Vorder- und Hinterkübbungen) über mittelbäuerliche Häuser (Holtum Geest Nr. 10, 1651 d) bis zu großen Vollhofgebäuden (Hassendorf Nr. 6, heute Heimathaus in Sottrum, 1626-1631 d; Ramelsen Nr. 1, 1639 d) handelt es sich um prächtig verzimmerte Zweiständerbauten aus sehr wuchtigen Bauhölzern, die nichts von kriegsbedingter Not oder Armut spüren lassen. Das eindrucksvollste Beispiel ist sicherlich das schon von Gerhard Eitzen beschriebene "Cohrs Hus" in Riekenbostel von 1640, ein mittelbäuerliches Haus mit einer 8,70 m breiten Diele und gewaltigen Holzdimensionen (Dielenständer bis zu 53 x 33 cm, Deckenbalken 55 x 42 cm, jeweils breitkant, Luchtriegel 77 x 26 cm hochkant) - das von den Teilnehmern in frisch restauriertem Zustand besichtigt werden konnte. Überhaupt war die Exkursion auch ein Lehrstück für beispielhafte Restaurierungen von großvolumigen Hallenhäusern, herausragend sicherlich die behutsame Translozierung des Baudenkmals "Hinners Hoff" in Benkel von 1647 (d) einschließlich der kunstvollen Kieselpflasterung im Flett von 1797 (vgl. Ludwig Fischer: Ein Haus zieht um. Lilienthal: IGB 2002). In Bezug auf die Zeitumstände des Dreißigjährigen Krieges drängt sich angesichts dieser prächtigen, holzreichen Neubauten der Verdacht auf, dass einige Bauern auf unzerstörten Höfen in Norddeutschland von den Zerstörungen des Krieges in anderen Regionen profitierten - etwa durch hohe Getreide- und Bauholzpreise, doch wäre dies noch durch interdisziplinäre Forschungen in Zusammenarbeit mit Wirtschafts- und Agrarhistorikern zu bestätigen. Dass die Hausforschung zu dieser Frage aufschlussreiches Material beitragen kann, zeigen die während der Verdener Tagung besichtigten Bauten und die Beiträge der dazu erschienenen Exkursionsbroschüre auf eindrucksvolle Weise. Wolfgang Dörfler Heinrich Stiewe In diesem Jahr ist das Tagungsprogramm in drei Themenblöcke gegliedert, die auf eine strikte regionale Trennung verzichten. Am Samstagvormittag widmet sich die Tagung verschiedenen Formen historischer Außenwandbekleidungen und ihren Funktionen. Nach der Mittagspause werden in einem kleineren Vortragsblock Aspekte der Wärmedämmung behandelt, die auch aktuelle Probleme der Wärmedämmung am historischen Fachwerkbau umfassen. Ein dritter Themenblock widmet sich dem Brandschutz. Der thematische Bogen umfasst Betrachtungen zu Brandursachen, deren Auswirkungen und Strategien zur Vermeidung von Bränden am Fachwerkbau. Während der Begehungen in den Ortsteilen Clausthal und Zellerfeld am Freitagnachmittag und Sonntagvormittag werden wir die Möglichkeit zur Besichtigung von Einzelobjekten erhalten. Die Busexkursion führt uns in diesem Jahr in die Bergstadt St. Andreasberg. Hier werden wir sach- und fachkundig von Dr. Wilfried Ließmann geführt werden. Die Firma Sympatec GmbH stellt uns am Samstag freundlicherweise kostenlos ihre Räumlichkeiten für unsere Tagung zur Verfügung. Wir bedanken uns sehr herzlich beim Geschäftsführer Dr. Stephan Röthele. Liebe Mitglieder des AHF und der IGB, liebe Gäste unseres Arbeitskreises, unsere diesjährige Tagung werden wir, wie bereits angekündigt, im Oberharz, abhalten. Durch die Aufnahme der „Oberharzer Wasserwirtschaft“ in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes im Jahre 2010 hat der Oberharz international Aufmerksamkeit erlangt. Unser Tagungsprogramm wird sich nun – etwas bescheidener - mit dem Themenfeld „Historischer Wetter- und Brandschutz am Fachwerkbau“ befassen, da auch diese Themen vor Ort besonders anschaulich nachvollzogen werden können. Clausthal-Zellerfeld, Blick auf das ehem. Oberbergamt und die Marktkirche in Clausthal Foto: A. Schmid-Engbrodt Einladung, Programm & Anmeldung zur 24. Jahrestagung vom 20. bis 22. April 2012 in Clausthal-Zellerfeld (Oberharz) Thema: "Historischer Wetter- und Brandschutz am Fachwerkbau" Bericht: 23. Tagung der Regionalgruppe Nordwest in Bad Iburg, März 2011 Bericht: 22. Tagung der Regionalgruppe Nordwest in Verden, März 2010
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