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Nachruf auf Johannes Gromer (1941-2011) Am 21. Februar 2011 verstarb der südwestdeutsche Architekt und Bauhistoriker Johannes Gromer. Der gebürtige Badener hatte an der Universität Stuttgart Architektur studiert und war bereits ab 1965 freiberuflich für die staatliche Denkmalpflege in Baden-Württemberg, vor allem im württembergischen Landesteil tätig. Nach anfänglichen Einzelaufträgen in Oberschwaben wurde er von 1969-1979 mit der zeichnerischen Ausstattung der beiden Inventarbände über die Kunstdenkmäler des Rems-Murr- Kreises beauftragt. Die Maßgenauigkeit mit damals einfachsten technischen Mitteln, die graphische Präzision und der Detailreichtum seiner Zeichnungen machten Gromer auf diesem Gebiet zu einem der Vorreiter nach dem 2. Weltkrieg in Württemberg. Er hat mit seinen Arbeiten inhaltlich und graphisch Maßstäbe gesetzt, die sich in seinen vom damaligen Landesdenkmalamt Baden-Württemberg 1987 veröffentlichten „Empfehlungen für Bauaufnahmen“ niedergeschlagen haben. In den 1980er Jahren wendete sich Gromer auch der historischen Bauforschung zu, die ihn insbesondere zur Grundlagenforschung und Planung des Freilichtmuseums Beuren im Landkreis Esslingen führte. Das baukundliche Grundlagenwerk für dieses Museum entwickelte sich in den 1990er Jahren zu seiner Dissertation, die im Jahre 2000 unter dem Titel „Zur Entwicklung des bäuerlichen Hausbaus in Württemberg“ veröffentlicht wurde. Sie stellt eine der letzten, umfassenden Beschreibungen einer deutschen Bauernhauslandschaft dar. Johannes Gromer wurde am 1. September 1983 Mitglied im Arbeitskreis für Hausforschung und nahm über Jahrzehnte aktiv an der Regionalgruppe Baden-Württemberg teil. Wir werden ihn nicht nur in diesem Kreise vermissen. Michael Goer Nachruf auf Ursula Fortuna (1931-2011) Am 18. Februar 2011 verstarb Ursula Fortuna im Alter von 80 Jahren. Die gebürtige Kölnerin kam vermutlich im Verlauf des Zweiten Weltkrieges in die Schweiz, wo sie im Städtchen Schlieren (Kanton Zürich) ihre zweite Heimat fand. Hier arbeitete sie als Sekretärin und begann später ein Geschichtsstudium an der Universität Zürich, dass sie mit einer Promotion zum Thema „Der Völkerbundsgedanke in Deutschland während des Ersten Weltkrieges“ (Zürich 1974) abschloss. In der folgenden Zeit war sie als freiberufliche Historikerin tätig; zum Arbeitsschwerpunkt wählte sie ihre Heimatgemeinde Schlieren, wo sie sich mit Forschungen zur Besitzer- und Bewohnergeschichte von Häusern und Höfen in der Stadt und den umgebenden Dörfern beschäftigte. Dazu recherchierte sie regelmäßig im Staatsrchiv Zürich; die Ergebnisse verzeichnete sie minutiös auf Karteikarten. Neben einzelnen Haus- und Hofgeschichten publizierte sie auch Editionen von alten Pfarr- und Gerichtsbüchern. Als Ortshistorikerin war Ursula Fortuna sicherlich eine der besten Kennerinen der Bauernhäuser und Höfe ihrer Heimatgemeinde, deren Erforschung sie sich mit Leidenschaft widmete. „Sie war ein Musterbeispiel der Spezies Ortshistoriker, jener meist unauffälligen, manchmal etwas wunderlichen Frauen und Männer, welchen viele Gemeinden ihre Geschichte verdanken. Sie werden zuweilen belächelt, selten ausgezeichnet, fast nie bezahlt für ihre Arbeit. (...) Wer sich für die Vergangenheit eines Gebäudes interessierte, bekam im Handumdrehen Auskunft. Vieles hatte sie im Kopf, das andere stand auf den Kärtchen, welche sie fast blindlings aus einem der Schränke zog. Wer mit ihr durch Schlieren spazierte, lernte Häuser und Menschen kennen, die schon lange nicht mehr leben. Sie war präzis, nie schwärmerisch, manchmal verärgert über eine Geringschätzung historischer Werte.“ (Helene Arnet, Tages-Anzeiger Zürich, 17.3.2011) 2008 wurde sie für ihr regionalhistorisches Lebenswerk mit dem Preis des Zürcher Heimatschutzes ausgezeichnet. 2010 übergab sie Kopien ihrer Hausgeschichten dem Archiv der Schweizerischen Bauernhausforschung in Zug. Ursula Fortuna war langjähriges Mitglied im Arbeitskreis für Hausforschung; in Gesprächen erzählte sie immer wieder gern von ihren haus- und familiengeschichtlichen Forschungen. Mit ihrem freundlichen und zurückhaltenden Wesen wird sie vielen AHF-Mitgliedern in Erinnerung bleiben. H.St. Worte zu Konrad Bedal: gehalten in Bad Windsheim am 2.12.2010 (Vorbemerkung der Redaktion: Am 4. Dezember 2010, seinem 67. Geburtstag, wurde unser Mitglied Konrad Bedal als Direktor des Fränki¬schen Freilandmuseums Bad Windsheim, das er seit 1977 auf- gebaut und geleitet hatte, in den Ruhestand verabschiedet. Aus diesem Anlass hatte ihm die Regionalgruppe Bayern des AHF ihr Jahrestreffen gewidmet, das am 2.-3.12. 2010 in Bad Windsheim stattfand. Die dort gehaltene Ansprache unseres Vorsitzenden Michael Goer geben wir hier in leicht gekürzter Form wieder.) Konrad Bedal ist Hausforscher, Hochschullehrer, Museumsleiter, Künstler und sicherlich auch noch vieles anderes. Für einige Jahre war er auch Vorsitzender des internationalen Arbeitskreises für Hausforschung. Bereits im Jahre 1966 war Konrad Bedal Mitglied im AHF geworden und seine Tätigkeit als Vorsitzender von 1982 bis 1988 fiel in eine Phase unseres Arbeitskreises, die einerseits sehr kritisch war, die andererseits aber auch zu einer fachlichen, strukturellen und personellen Neuorientierung führte, die im Ergebnis in einer ausgesprochen dynamischen und positiven Fortentwicklung mündete. Ende der 1970er Jahre waren im Arbeitskreis inhaltliche und methodische Defizite erkennbar ge- worden, die insbesondere auf den Tagungen in Lüneburg 1979 und Neuchatel 1980 offenkundig wurden. Während die ersten systematischen dendrochronologischen Reihenuntersuchungen in Deutschland bereits ab 1972 zu verzeichnen waren, hielten die meisten Hausforscher an ausschließlich gefügekundlichen Datierungen hartnäckig fest. Hinzu kam eine personelle Überalterung, die sich damals auch in der Kassenlage des Vereins widerspiegelte. Denn zwei Drittel der Mitglieder befanden sich im Rentenalter, das damals mit einer beitragsfreien Mitgliedschaft verbunden war. Die fortan erhobenen Beiträge auch für Ruheständler sicherten den finanziellen Bestand des Arbeitskreises, ließen die Mitgliederzahl aber von über 250 auf 232 sinken. Trotz finanzieller Konsolidierung stand der AHF damals vor seiner Auflösung. Schon vor der Mitgliederversammlung des Jahres 1982 im Freilandmuseum Bad Windsheim, das übrigens wenige Monate vorher, nämlich am 23. bis zum 25. Juli eingeweiht worden war, hatte der langjährige Vorsitzende Josef Schepers erklärt, aus Altersgründen nicht mehr für das Amt des Ersten Vorsitzenden zur Verfügung zu stehen. Der Zweite Vorsitzende, Franz Pieper, und der Geschäftsführer, Rainer Mönnich, bedauerten zugleich, dass künftig die geschäftlichen Belange des AHF nicht mehr von der Institution des Westfälischen Landesamtes für Baupflege wahrgenommen werden könnten, das den Arbeitskreis lange Zeit nicht nur personell und strukturell, sondern immer wieder auch finanziell unterstützt hatte. All dies bedeutete in seiner Konsequenz eine Neuwahl des gesamten Vorstandes und die Suche nach einer neuen Geschäftsstelle. In dieser überaus heiklen Situation erklärte sich Konrad Bedal, der mit seinem gerade eröffneten Freilichtmuseum sicherlich mehr als genug zu tun hatte, bereit, als Erster Vorsitzender zu kandidieren. Damit zeigte sich, so im Protokoll der Mitgliederversammlung nachzulesen, ein „Silberstreifen am Horizont“. Konrad Bedal wurde dann am 21. September 1982 zum Ersten Vorsitzenden des AHF gewählt und kündigte schon zu Beginn seiner Vorstandstätigkeit an, dieses Amt nur für eine überschaubare Zeit inne haben zu wollen. Ulrich Großmann übernahm den Part des Zweiten Vorsitzenden. Die Geschäftsstelle wurde an das Rheinland-Pfälzische Freilichtmuseum Sobernheim, die Arbeitsstelle des neuen Geschäftsführers Klaus Freckmann verlegt. Das Protokoll der Mitgliederversammlung notiert dazu: „Dr. Bedal bedankt sich, ist gleichzeitig bestürzt über das ihnen entgegengebrachte Vertrauen. Man müsse wissen, dass man einen Vorstand gewählt habe, der die wissenschaftliche Seite verträte und die Praktiker (Baupfleger) nicht vertreten seien. Er hoffe, sie bekämen dadurch keinen Ärger.“ Konrad Bedal und Ulrich Großmann waren bereits gemeinsam für die Vorbereitung der Jahrestagung in Bad Windsheim verantwortlich gewesen. Und diese Jahrestagung stand erstmals unter einem alleinigen Sachthema, nämlich „Hausbau im Mittelalter“. Damit wurde nicht mehr wie sonst üblich eine Region in den Mittelpunkt der Jahrestagung gestellt, sondern eine Epoche und deren Hausbestände. Klaus Freckmann schrieb dazu 1997 in seinem Beitrag „50 Jahre Arbeitskreis für Hausforschung“: „Dieser Entschluß war offenbar richtig; denn der 1983 herausgekommene Tagungsband Nr. 33 stieß auf eine derartig große Resonanz, daß weitere Mittelalter-Beiträge für zwei Sonderbände (1985 und 1988) eingereicht wurden. Unter den Hausforschern war ein regelrechtes Mittelalter-Fieber ausgebrochen. Leicht übertrieben war es so, daß fast jedes Freilicht- oder Freilandmuseum das älteste Haus, vor allem Fachwerkhaus der Region besitzen wollte, daß fast jeder unserer Freunde auf die Pirsch nach dem ältesten Haus ging, und jeder fand sein ältestes Haus. Die Dendrochronologie ermöglichte es. Immerhin verdanken wir diesem Eifer einige Publikationen, die landschaftlich bezogen den ganzen spätmittelalterlich-frühneuzeitlichen Baubestand verzeichnen - in der Regel bis in das Jahr 1600 - und die das Raumgefüge und die Baukonstruktionen dieser baulichen Quellen, als die man die Häuser ansprechen kann, miteinander vergleichen. Unser Wissen um das Mittelalter hat sich vergrößert.“ Konrad Bedal, der bereits 1977 dendrochronologische Untersuchungen in Schleswig-Holstein durchgeführt hatte, steuerte in jedem der drei Sonderbände einen wissenschaftlichen Beitrag bei, 1983 mit dem Titel: „Bäuerliche Bauten des späten Mittelalters in Nordbayern“, 1985 „Fachwerkbau um 1410 in Wolframs-Eschenbach“ und 1988 den einführenden und zugleich auf die Ergebnisse der Hausforschung in den 1980er Jahren rückblickenden Grundsatztext „Der vollendete Anfang im Mittelalter – Unzeitgemäßer Versuch einer Generalisierung“. Seine Charakterisierung damaliger Forschungsergebnisse spiegelt sich schlagwortartig in folgenden Kapitelüberschriften wider: „In großer Zahl... - Es war schon alles da... - Wo bleibt der Fortschritt? - Repräsentation schafft Wandel - Variationen weniger Grundthemen - Der Nord-Süd-Gegensatz - Das Dorf steht nicht abseits - Das lang andauernde Mittelalter.“ In der Amtszeit von Konrad Bedal fanden die Jahrestagungen des AHF an folgenden Orten statt: Lyon 1983, Lübeck 1984, Krems 1985, Münster 1986, Schwäbisch Hall 1987 und Utrecht 1988. Nachdem der Hausbau des Mittelalters, methodisch vor allem mittels der Dendrochronologie, im AHF dominierte und mehrfach auch im Mittelpunkt von Tagungen stand, widmete sich die Tagung 1987 in Schwäbisch Hall erstmals dem auf den ersten Blick vielleicht weniger spektakulären Thema „Hausbau im 19. Jahrhundert“’, wie es Konrad Bedal, Ulrich Großmann und Klaus Freckmann in ihrem Vorwort zum Tagungsband formulierten. Und weiter: „Jedenfalls wird die Erforschung im 19. Jahrhundert methodisch anders arbeiten müssen als die auf frühere Jahrhunderte ausgerichtete, und sie wird die vielfältigen ideologischen Strömungen bis hin zur Rolle des Hausforschers des 19. Jahrhunderts nicht vernachlässigen können.“ In der Zeit des Vorsitzes von Konrad Bedal erschienen die Tagungsbände 33 bis 37, d.h. zum Hausbau im Mittelalter sowie zum Hausbau in Frankreich, in Lübeck und in Münster und Westfalen. Auf der Mitgliederversammlung des mittlerweile über 300 Mitglieder umfassenden AHF in Utrecht 1988 trat Konrad Bedal nicht mehr zur Wahl des Vorsitzenden an. Seine Rolle wurde fortan von Ulrich Großmann wahrgenommen, den zweiten Vorsitz übernahm Fred Kaspar und Ulrich Klein wurde Beisitzer; die Geschäftsführung blieb in Sobernheim. Dieser kleine Rückblick auf die Zeit des AHF-Vorsitzenden Konrad Bedal in den Jahren 1982 bis 1988 soll freilich zu keinem Missverständnis führen. Der Arbeitskreis für Hausforschung und die gesamte Haus- und Bauforschung in Europa verdanken ihm weit über diesen Zeitraum hinaus herausragende Forschungsergebnisse und auch methodische Impulse, wie sie kaum ein anderer Wissenschaftler im letzten Quartal des 20. Jahrhunderts bzw. den ersten 10 Jahren dieses Jahrhunderts leistete. Namens des Vorstandes des AHF und seiner gesamten Mitgliederschaft möchte ich mich dafür bei Konrad Bedal herzlichst bedanken. Michael Goer Nachruf Johannes Gromer (1941-2011) Nachruf Ursula Fortuna (1931-2011) Worte zu Konrad Bedal: gehalten in Bad Windsheim am 2.12.2010
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